Ensaimada mit Aprikosen gefällig oder mit Wurst?

Das mallorquinische Gebäck Ensaimada kommt traditionell in einer einfachen Variante vor: ein hauchdünn gezogener Teig (vielleicht 2 mal 1 Meter Fläche und so dünn, dass er an einigen Stellen reisst, und fast überall durchsichtig ist) wird zusammengerollt, mit Schmalz bestrichen und dann spiralförmig zusammengelegt. Das Schweineschmalz ist hier, vergleichbar mit der Butter beim Blätterteig, das Triebmittel, denn für den Teig werden keine Hefe und kein Backpulver verwendet. Je länger die ursprüngliche Teigrolle, desto grösser wird die Ensaimada (in Barcelona auch liebevoll Ensiamada genannt), die vor dem Verzehr noch mit Puderzucker bestäubt wird.
Bei der fertigen Ensaimada sammelt sich das Schmalz unter dem Gebäck; ist die Ensaimada unten nicht etwas fettig, wurde sie entweder sehr perfekt zubereitet, oder nicht mit den traditionellen Zutaten und Methoden (die eigentlich eine maschinelle Produktion auschliessen).
Mit der Zeit hat sich die Ensaimada aber weiterentwickelt und verschiedenen Geschmäckern und Situationen angepasst. Es gibt sie hauptsächlich in süsser Form, aber auch salzige Zutaten (wie die mallorquinische Wurst Sobrasada) finden Verwendung.
Neben der einfachen Variante (lisa oder „flach“) gibt es Ensaimadas mit Pudding, Schlagsahne oder Rübenmarmelade (dafür wird die Ensaimada wie ein Brötchen aufgeschnitten und gefüllt). Mir persönlich liegt die Ensaimada mit Aprikosen besonders am Herzen, sie hält notfalls auch zwei, drei Tage und ist sehr erfrischend im Geschmack; nicht so sehr liebe ich die Ensaimada mit Aprikosen und Sobrasada (die mallorquinische Paprikawurst ist zwar optisch ein Hingucker, die roten Wurstflecken stellen einen herrlichen Kontrast zu den gelben Aprilosen dar), da die Wurst doch sehr intensiv im Geschmack ist.
Weitere Ensaimadavariationen gibt es je nach Ortschaft und Vorlieben des jeweiligen Bäckers. Aber wo bekommt man nun die beste Ensaimada?
Grundsätzlich gilt: am Flughafen nicht. Gute Anlaufpunkte sind normalerweise die kleinen Bäckereien in den kleinen Gassen in den kleineren Dörfern, und jene Bäckereien, die nicht zu protzig aufgemacht sind und zusätzlich zu Backwaren auch noch eine kleine Auswahl anderer Lebensmittel verkaufen, in der Art eines Spätkaufes. Vermeiden Sie Supermärkte, Läden and Strandpromenaden und in den teureren Einkaufszonen. Kaufen Sie eventuell vorher eine kleine Ensaimada im Laden (wie die, die oft auch zum Frühstückskaffee gereicht werden) und probieren Sie sie, bevor Sie sich für eine grosse Ensaimada entscheiden.
Wenn Sie in der Nähe von Arta (Artà) untergebracht sind, vieleicht sogar im Ferienhaus Alzinar der Familie Strunk kann ich die Ensaimadas von Can Matamalas in Arta empfehlen. In San Lorenzo, wenn man statt der Umgehungsstrasse die alte Landstrasse Palma-Arta nimmt, die direkt durch das Dorf fährt, sieht man an einer Strassenecke eine kleine unscheinbare Bäckerei, deren Name mir unbekannt ist, die aber ausgezeichnete ensaimadas verkauft.

Ensaimadas werden übrigens nach Gewicht verkauft. Ein halbes Kilo reicht vollkommen als Kuchenbeilage für den Nachmittagskaffee für zwischen 4 und 6 Personen.

Und da eine gute Ensaimada auch relativ schnell austrocknet und in dieser Form eher ungeniessbar ist, wird das trockene Gebäck zur Zubereizung von süssen, hauptsächlich puddingartigen Nachspeisen verwendet. Aber das ist dann eine andere Geschichte.

Air Berlin und das Mysterium der schwindenden Ensaimada

Obwohl die Geschichte schon ungefähr zwei Jahre zurück liegt, möchte ich sie nun doch zum Besten geben, unter anderem, weil mich die Erinnerung daran immer dann wieder überkommt, wenn ich mit ein paar Ensaimadas von Mallorca nach Barcelona fliege und dabei die Flieger von Air Berlin sehe.

Zunächst aber ein Foto für die Leser, die noch keine Ensaimada probiert haben, ein traditionelles Süssgebäck, das auf Mallorca zum Milchkaffee gegessen wird.

Eine mallorquinische Ensaimada
Eine grosse Ensaimada für die Familie

Wie schon angedeutet, ging es vor geraumer Zeit mal wieder von Mallorca, wo wir ein paar Tage der Ruhe verbracht hatten, nach Barcelona. Wir flogen in der Familienkombination zwei plus zwei mit Air Berlin (damals gab es noch die belegten Brötchen an Bord, ein guter Grund, mit AB zu fliegen), und die Kinder hatten uns gebeten, für die Schule eine grosse Ensaimada mitzubringen – die wollten sie am nächsten Tag ihren Schulkameraden nachmittags servieren. Wir bestellten also eine recht grosse Ensaimada beim Bäcker in San Lorenzo. Dort sind die Ensaimadas besonders gut, vor allem, wenn man das Glück hat, dass sie nicht zu gut durchgebacken sind, sondern noch ein klein wenig hell (so halten sie übrigens auch einen Tag länger). Die Ensaimada war so gross, dass ich vorschlug, sie am Schalter von Air Berlin aufzugeben, und da wir damals auch noch mit Koffern reisten, müssten wir ja auch nicht länger darauf warten als auf den Rest des Gepäcks. Wir gaben das Gebäck zusammen mit den Koffern auf, wie viele andere Mallorcareisende auch.

Nach der Landung in Barcelona warteten wir dann am Gepäckband auf Koffer und Ensaimada. Die Koffer kamen, die Ensaimada brauchte leider länger. Viel länger. Als sie schliesslich kam, entdeckten wir, dass der Karton an einer Seite aufgerissen war. Zunächst dachten wir, dass das Gebck einfach nur eingedrückt worden sei. Doch es sah komisch aus, und als wir durch das grosszügige Loch hereinschauten, mussten wir zu unserer Verwunderung feststellen, dass ein Teil de Ensaimada fehlte! Da hatte sich jemand selber bedient!

Wir gingen zum Informationsschalter von Air Berlin und nach längerer Wartezeit durften wir schliesslich die Geschichte erzählen. Dabei mussten wir die Ensaimada zeigen und ihr verständlich machen, was uns eigentlich störte. Und obwohl die Dame kein besonderes Interesse an der Reklamation zeigte, verwunderte und überraschte uns die Antwort der Angestellten von Air Berlin dann doch: die Fluggesellschaft übernehme keine Verantwortung für von ihr transportierten Lebensmittel, wie in kleiner Schrift auf dem Ticket beschrieben sei. Obwohl ich zu erklären versuchte, dass ein Unterschied zwischen einer zerbrochenen Flasche Wein oder einem zerquetschten Stück Käse und einer ANGEGESSENEN Ensaimada bestünde, blieb die Air Berlin Frau hart und weigerte sich, die Beschwerde anzunehmen. Weitere Schritte zu unternehmen schien uns dann doch übertrieben. Seitdem jedoch (und auch weil es keine belegten Brötchen mehr gibt) zählt Air Berlin nicht mehr zu unseren favorisierten Airlines.